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Rückenschwimmen

Beitrag von Sabine
Dolphins Depesche, Mai 1999

Seit einigen Jahren ist das Rückenschwimmen in aller Munde - als Maßnahme gegen Rückenbeschwerden und zur Vermeidung eben dieser. Tatsächlich trägt die Rückenlage im Wasser erheblich zur Entlastung der Bandscheiben bei und kann Schmerzen lindern. Bei der Wettkampfdisziplin Rückenschwimmen reicht es allerdings nicht aus, sich nur auf den Rücken zu legen und los zu paddeln. Hier sind einige Bewegungsmerkmale zu beachten, um die Schwimmgeschwindigkeit zu erhöhen.

Zunächst sollte die Lage des Körpers im Wasser möglichst wenig Widerstandsfläche bieten (das kennen treue Leser bereits aus denKapiteln 1 und 2 zum Kraul- und Brustschwimmen). Für die Rückenlage bedeutet dies, dass der Körper möglichst flach im Wasser liegt und Hüfte und Beine nicht zu weit in Richtung Beckenboden absinken. Rücken und Beine des Schwimmers würden sonst eine große Front bieten, mit der das Wasser weggedrückt werden muss.

Wie beim Kraulschwimmen werden auch beim Rückenkraulschwimmen die Arme wechselseitig bewegt. Während ein Arm durch das Wasser zieht und für den Vortrieb sorgt, wird der andere über Wasser in die Ausgangslage zurück gebracht. Während dieser Überwasser- Rückholphase wird der Arm nahezu gestreckt hinter den Kopf geschwungen. Die Hand beschreibt dabei einen Halbkreis senkrecht zur Wasseroberfläche. Sie verlässt das Wasser in Oberschenkelhöhe mit der Daumenseite zuerst und wird weit hinter den Kopf mit der Kleinfingerseite zuerst eingetaucht.

Der Eintauchpunkt der Hand sollte hierbei nicht zu weit von der Körpermittelachse (die vom Scheitel bis zur Sohle verläuft) entfernt sein
und möglichst in Verlängerung der Schulter liegen. Erfolgreiche Rückenschwimmer zeichnen sich daher durch eine besonders gute Beweglichkeit und Dehnfähigkeit im Schulterbereich aus.

Rückholphase, linker Arm

Die Unterwasserphase des Armes verläuft nun nicht gestreckt halbkreisförmig, d.h. Rückenschwimmen ist nicht einfaches Armkreisen
in der Rückenlage an der Wasseroberfläche. Nach dem Eintauchen wird die Hand zunächst nach außen-unten gezogen. Beim weiteren Durchziehen des Armes fußwärts wird der Ellenbogen zunehmend gebeugt, bis er in etwa Schulterhöhe einen Beugungswinkel von ca. 90° erreicht.

In dieser Position zeigen die Finger zur Wasseroberfläche, sollten diese aber nicht durchbrechen. Anschließend wird der Arm wieder gestreckt, indem der Unterarm (nun also doch wieder) halbkreisförmig durchgedrückt wird. Die Hand drückt hierbei fußwärts-abwärts.

Die Handfläche sollte währen der gesamten Bewegung so ausgerichtet sein, dass sie möglichst viel Wasser wegschieben kann, d.h. sie sollte nicht mit der Kante das Wasser "schneiden".

Der Körper vollführt während des Rückenschwimmens leichte Rollbewegungen jeweils zu der Seite hin, an der der Arm sich gerade unter Wasser befindet. Auf diese Weise liegt die Schulter des Antriebsarmes etwas tiefer im Wasser und die Muskulatur kann effektiver eingesetzt werden. Die Schulter des Gegenarmes liegt dementsprechend über dem Wasser, so dass dieser Arm leichter zurück geschwungen werden kann. Der Kopf nimmt an dieser Rollbewegung nicht teil und liegt ruhig im Wasser mit Blick nach oben.

Antriebsphase, linker Arm

Die Beinbewegung des Rückenschwimmens zeigt sich als wechselseitige Auf- und Abschwingen der Beine. Dabei ist das Bein bei einer Abwärtsbewegung gestreckt und bei seiner Aufwärtsbewegung - der eigentlichen Antriebsbewegung gebeugt. Diese Antriebsbewegung lässt
sich mit einer Kickbewegung beim Fußball vergleichen: Das Bein ist so zu bewegen, dass ein auf der Wasseroberfläche schwimmender Ball nach
oben geschossen würde. Allerdings sollen die Füße beim Rückenschwimmen das Wasser nicht verlassen.

Die Atmung bereitet beim Rückenschwimmen wenig Schwierigkeiten, da sich das Gesicht ständig über Wasser befindet. Ähnlich wie beim Kraulschwimmen lässt sich die Atmung mit der Bewegung eines Armes koordinieren: Einatmen bei der Rückholbewegung, Ausatmen bei der Antriebsbewegung.

Die Wettkampfregeln schreiben eigentlich nicht das Rückenkraulschwimmen vor, bei dem Arme und Beine jeweils abwechselnd bewegt werden. Es wird lediglich verlangt, dass während des gesamten Rennens - vom Start bis zum Zielanschlag - die Rückanlage nicht verlassen wird. Die Ausnahme bildet die Rückenwende: seit einiger Zeit ist es den Schwimmern erlaubt, kurz vor der Wende die Rückenlage zu verlassen und eine Kraul-Rollwende zu schwimmen. Der Abstoß muss allerdings in Rückenlage erfolgen. Die Schwimmbewegung selbst ist keine Einschränkungen unterworfen. Es hat sich jedoch das Rückenkraulschwimmen als die schnellste Fortbewegungsmöglichkeit in Rückenlage herausgestellt, so dass andere Techniken - wie z.B. das "Altdeutsche" Rückenschwimmen - nicht bei Wettkämpfen zu sehen sind.

So, nun steht eurem Bewegungsdrang nichts mehr im Wege. Außer vielleicht der Tatsache, dass man/frau beim Rückenschwimmen nicht sehen kann, wohin geschwommen wird. Zusammenstöße sind hier im Schwimmbad leider an der Tagesordnung. Es sei denn, ihr schwimmt bei den Dolphins mit. Hier kommen auch Rückenschwimmer zum Zuge.

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