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Brustschwimmen

Beitrag von Sabine
Dolphins Depesche, November 1998

Ich weiss noch gut, wie ich mich früher zusammen mit meiner Schwester amüsiert habe, wenn es im Fernsehen Schwimmen gab. Die Vorstellung, dass "100m Brust" eine anatomische Zustands- beschreibung ist, war einfach zu unglaublich. Aber das ist eine andere Geschichte...

Brustschwimmen ist meist die erste Schwimmart, die erlernt wird und oft bleibt es auch die einzige. Dabei ist Brustschwimmen unter den Wettkampfdisziplinen die mit Abstand komplizierteste und anspruchsvollste - und die langsamste dazu!

Dies liegt daran, dass beim Brustschwimmen die "Ausholbewegung" der Arme - das nach vorne Bringen in die Ausgangslage für den nächsten Armzug - unter Wasser und damit gegen den Wasserwiderstand erfolgt. Auch durch die Wettkampfregeln vorgeschriebene Beinbewegung trägt zu einer großen Widerstandsfläche des Körpers bei. Das Rezept für schnelles Brustschwimmen liegt daher nicht nur in schnellen und kräftigen Armbewegungen, sondern auch in der Minimierung des Körperwiderstandes während der Ausholphase.

Und hierin liegt das Problem. Auf der einen Seite ist es erstrebenswert, die Antriebsbewegungen möglichst schnell hintereinander auszuführen. Auf der anderen Seite führen die - hierfür notwendigerweise ebenfalls schnell ausgeführten - Ausholbewegungen unter Wasser zu einem starken Bremseffekt (es gilt: Verdopplung der Geschwindigkeit = Verfierfachung des Wasserwiderstandes; nur soviel zur Physik).

Bei einer effektiven Brustschwimmtechnik müssen daher die Antriebsbewegungen zügig und kraftvoll, die Ausholbewegungen dagegen etwas langsamer ausgeführt werden. Eine gleichmäßige Geschwindigkeit während des Bewegungszyklus wird dadurch gewährleistet, dass Arme und Beine nacheinander und nicht gleichzeitig für Antrieb sorgen. Zeitlich zusammen fallen also Antriebsbewegung der Arme (Beine) und Ausholbewegung der Beine (Arme).

Heutige Wettkampfschwimmer führen vorzugsweise "kleine" Schwimmbewegungen aus, d.h. sie vermeiden großräumige Bewegungen, bei denen die Hände weit auseinander geführt und die Beine weit gegrätscht werden, so wie es die meisten von uns wohl noch gelernt haben. Diese "großen" Bewegungen führen nämlich - wie bereits oben erläutert - zu einer großen Widerstandsfläche des Körpers.

Die kleinen, weniger ausladenden Bewegungen haben außerdem den Vorteil, dass ihre Ausführung nicht soviel Zeit in Anspruch nimmt, da der zurückzulegende Weg von Armen und Beinen nicht so lang ist. Sie können daher schneller hintereinander ausgeführt werden (höhere Bewegungsfrequenz).

Die Antriebsbewegung der Arme beginnt aus einer vollständigen Streckung der Arme mit dem Nach-Außen-Ziehen der Hände. Kurz bevor die Ellbogen die Höhe des Schultergelenks erreicht haben, knicken die Unterarme ab und drücken zusammen mit den Handflächen das Wasser nach hinten-unten weg. In Brusthöhe werden die Hände dann unter dem Körper wieder zusammengeführt. In dieser Phase erfolgt auch die Einatmung des Schwimmers, da der Kopf und die Schultern durch die Rückwärts-Abwärts-Bewegung der Arme aus dem Wasser gehoben werden und somit die Möglichkeit zur Atmung besteht.

In der Ausholphase werden die Arme dann - möglichst eng aneinander - an oder unter der Wasseroberfläche wieder nach vorne geführt. Oberkörper und Kopf senken sich dabei ab, das Gesicht wird ins Wasser gelegt.

Der Beinschlag beginnt mit dem langsamen Beugen der Unterschenkel in Richtung des Gesäßes (nicht die Knie unter den Bauch ziehen!). Die Wettkampfbestimmungen schreiben nun vor, dass die Fußspitzen nach außen gedreht werden.

Während der Antriebsphase werden die Füße und Unterschenkel in einer schnellkräftigen, halbkreisförmigen Schwungbewegung nach außen-hinten gebracht. Dabei wird das Wasser mit den Fuß- und Unterschenkelinnenseiten nach hinten-innen gedrückt. Während der gesamten Bewegung werden die Knie nicht über Hüftbreite geöffnet.

Die Brustschwimmbewegung wird die Wettkampfbestimmungen der FINA (Internationaler Schwimmverband) von allen Lagen am stärksten beschränkt: Alle Bewegungen der Arme (Beine) müssen gleichzeitig erfolgen, Wechselschläge und -züge sind nicht gestattet.
"Delphinschläge" der Beine sind ebenfalls nicht zulässig. Die Hände dürfen nicht weiter als bis zur Hüfte nach hinten geführt werden. Ausnahme: Beim "Tauchzug", der nach dem Startsprung und nach jeder Wende gestattet ist. Der Anschlag am Ziel oder bei den Wenden muss in Brustlage mit beiden Händen gleichzeitig erfolgen.

Trockene Theorie? Ab ins Wasser - zu einem Probetraining bei den Dolphins!

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